Welcher abnehmwillige Sportinteressierte hat nicht schon von ihm gehört, sei es in der Werbung, Sportheftchen oder von dutzenden Fitnesstrainern: Der gute alte “Fettverbrennungspuls”!

Dieses Thema scheint niemals zu enden. Allein in der letzten Woche wurde ich fünfmal darauf angesprochen. Deshalb habe ich mich entschlossen hier mal ein paar Worte zu verfassen.

Was soll der Fettverbrennungspuls eigentlich sein? Der Gedanke sagt, dass bei Belastungen mit 60 bis 70 % deiner maximalen Herzfrequenz die Fettverbrennung am höchsten sein soll. Dies ist bei den meisten Menschen ein Trainingspuls zwischen 120 und 130 Schlägen/Minute. Laut dieser Theorie müßte ein Training in diesem Bereich beim Abspecken erfolgreicher sein als eine Einheit mit 160 Schlägen/Minute. Klingt das logisch für dich?

Der erste Fehler ist, dass Fettverbrennung nicht gleichzusetzen ist mit dem Verlust unserer Fettpolster, die wir bekämpfen wollen. Wenn wir Sport treiben, verbrauchen wir Energie. Daher benötigt man Energielieferanten, die unsere Muskeln versorgen, um Leistung erbringen zu können. Das sind die Nährstoffe Kohlenhydrate, Eiweiße und Fette, wobei ich das Eiweiß im Zusammenhang mit dem vorliegenden Thema mal außen vor lasse. Es wird immer beides verbrannt, Kohlenhydrat- und Fettreserven. Es ist richtig, dass beim sogenannten Fettverbrennungspuls mehr Energie aus Fettreserven (zwischen 65 und 75%) als aus unserem Glykogenspeicher mit den Kohlenhydratreserven gewonnen wird. Trainiert man intensiver verschiebt sich das Verhältnis und es werden mehr Kohlenhydrate und weniger Fette herangezogen.
Dazu ein kleines Beispiel:

Du trainierst am Montag eine halbe Stunde mit einem Puls von 130 Schlägen/Minute (“Fettverbrennungspuls”) und verbrauchst dabei 250 kcal. Dann würde deine Energiegewinnung zu 175 kcal (70%) aus Fettreserven und 75 kcal (30%) aus Kohlenhydratreserven bestehen.
Danach trainierst du am Donnerstag eine halbe Stunde mit einem Puls von 160 Schlägen/Minute (30 Schläge/Minute höher als der sog. “Fettverbrennungspuls”) und benötigst durch die anstrengendere Einheit mehr Energie und verbrauchst dabei 500 kcal. Dann würde deine Energiegewinnung zu 250 kcal (50%) aus Fettreserven und 250 kcal (50%) aus Kohlenhydratreserven bestehen.

Jetzt hast du bei der weniger intensiven Trainingseinheit relativ mit 70% mehr Fett verbrannt als bei der intensiven mit 50%. Jedoch wurden absolut mit 175 kcal, 75 kcal weniger Fett verbrannt als bei der intensiven mit 250 kcal.

Jetzt weiß man schon einmal, dass man “relativ” und “absolut” keinesfalls verwechseln sollte. Aber was habe ich oben schon erwähnt? Fettverbrennung ist nicht gleichzusetzen mit dem Abbau unserer Fettpolster. Um dies zu erreichen, kommt es einzig und allein darauf an, so viel Energie wie möglich zu verbrauchen. Dabei ist es völlig egal, ob mehr Fett oder Kohlenhydrate zur Energiegewinnung herangezogen werden.

Wer intensiv trainiert (am besten Kraft und Ausdauer) verbraucht bei gleicher Trainingszeit mehr Kalorien als beim gemütlichen Joggen oder Radfahren mit dem “Fettverbrennungspuls”.

Allerdings verlieren Ausdauersportler, die im niedrigen bis mittleren Pulsbereich trainieren, auch an Gewicht. Dies ist aber auf die wesentlich längere Dauer der Trainingseinheiten und den damit verbundenen Kalorienverbrauch zurückzuführen und nicht auf den “Fettverbrennungspuls” durch den mehr Fett verbrannt werden soll.

Und nicht vergessen, ihr könnt so viel trainieren wie ihr wollt, wenn ihr euch nicht richtig ernährt bringt kein Training den gewünschten Fettabbau!

Euer Trainer Michael